Ich wiederhole mich immer: Mit U16 wird kaum ein Kind in der Lage sein, sich ein Handy oder einen Computer zu leisten. Kein Internetanbieter wird einen Vertrag mit einem Kind schließen. Auch einen Handyvertrag kriegst du nicht. Das wird von den Eltern gekauft und der Internetzugang wird von den Eltern zur Verfügung gestellt. Die sollen daher gefälligst mal ihren Erziehungsjob machen und schauen, was ihre Kiddies so im Internet machen. Wenn die wirklich so hart gefährdet werden, dann muss man da als Elter eingreifen.
Ich sehe schon, du hast selbst Kinder und hast das in deiner Familie voll im Griff.
Ich meine das sehr ernst - gerade da sämtliche Jugendschutzdinge halt nicht klappen, wenn die Eltern sich null dafür interessieren. Wenn du nicht mitkriegst, dass dein Kind sich bei TikTok totscrollt und nicht mehr zur Schule geht, dann kriegst du auch nicht mit, wenn dein Kind deinen Ausweis ausleiht, um damit einen Account bei Steam zu klicken. Und damit laufen dann diese Dinge völlig aus dem Ruder und wir haben das gesamte Internet in einen ausweispflichtigen Realnamens-Alptraum verwandelt und du wirst in COD trotzdem von 12jährigen Kiddies bepöbelt
Kennst du den Begriff Peergroup? In dem Alter ist der Gruppenzwang immens.
In den Moment, wo du dein Kind in der Kita abgegeben hast, gehört es dir nicht mehr.
Das kannst du nur umgehen, indem du aus dieser Gesellschaft komplett aussteigst. Hat halt auch Konsequenzen.Schon klar. Hatten wir damals auch. Der Punkt ist halt, dass du da als Elternteil trotzdem einen Teil mitsteuern musst. Früher durften andere Kiddies auch länger auf Parties oder durften Filme ab 16 schauen, ich nicht. Und dann hat dein Kind halt ein Handy mit Pokemon Go, aber ohne Instagram. Oder du schaust halt mit drauf, was bei Instagram läuft.
Ich glaube er kennt die Begriffe Netzwerkeffekt und Aussenseiter nicht.
Die logische Konsequenz ist doch, dass man die süchtig machenden Techniken und Elemente dieser Plattformen generell und konsequent verbietet.
Denn erstens ist die Motivation der Nutzung nicht der Suchteffekt.
Zweitens sind die Plattformen ganz gezielt so gestaltet, weil es die Nutzung verstärkt und z.B. Werbeumsätze fördert , eben “addictive by design”.
Drittens schaden diese Eigenschaften ganz deutlich auch Erwschsenen - und das liegt nicht an mangelnder Intelligenz oder fehlenden Kompetenzen.
Viertens ist eine Beschränkung der Plattformen anstatt der Nutzer einerseits datenschutzfreundlich, und greift auch nicht in die Grundrechte von Individuen ein. Die Nutzer haben ja auch nichts verbrochen, womit man das rechtfertigen könnte. Menschen haben Grundrechte, nicht Konzerne - und es ist genau der Job des Staates, die Grundrechte zu schützen!
Fünftens ist es einfach nur saudumm, in einer weltweiten Welle von autoritären und neofaschistischen Tendenzen, die in Deutschland zu einer buchstäblichen Naziregierung führen kann, neue technische Instrumente zu installieren, die wie geschaffen sind zur Kontrollle und Überwachung. Es stellt sich die Frage, was z.B. die CDU da eigentlich will.
Nachgelegt: Wir haben ja auch nicht Kinder von Fahrten in Fernzügen ausgeschlossen, weil’s da Leute gab die rauchen - wir haben das Rauchen im Zug abgeschafft.
Es tut gut, endlich mal eine vernünftige Position zu dem Thema zu lesen. Danke
Es stellt sich die Frage, was z.B. die CDU da eigentlich will.
Die ehrliche Antwort auf diese Frage könnte Teile der Bevölkerung verunsichern.
Die logische Konsequenz ist doch, dass man die süchtig machenden Techniken und Elemente dieser Plattformen generell und konsequent verbietet.
Das fände ich persönlich zwar gut, wüsste aber nicht, auf welcher rechtlichen Grundlage man sowas verbieten will, wenn andere Stoffe und Aktivitäten weiterhin legal sind: Alkohol, Tabak, Glücksspiel, Cannabis, Koffein, Zucker etc. können ja auch ganz erhebliche negative Auswirkungen haben auf Erwachsene und dennoch überlässt man es dem Individuum, den eigenen Konsum zu hinterfragen und zu steuern.
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Gibt’s auch da Regulierungen
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Greift ein Verbot der abhängig machenden Elemente nicht in die Handlungsfreiheit Einzelner ein. (Und umgekehrt gibt es auch kein Recht darauf, toxische bleihaltige Farben oder Asbestteile zu kaufen, nur weil du persönlich ein bisschen Krebs ganz geil findest - hier geht der Schutz des Kollektivs vor).
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Sehen sich viele Leute wegen der Netzwerkeffekte auch genötigt, diese Plattformen zu benutzen, die es von sich aus nicht tun würden. Ist halt wie Rauchen in der U-Bahn: Andere können es sich nicht aussuchen, ob sie U-Bahn fahren, also bleibt sie rauchfrei.
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Die von dir genannten Sachen waren aber schon lange vor Bekanntwerden der jeweiligen Schädlichkeit legal. Ich rede hier von mehreren Jahrhunderten.
Doomscrolling z.B. ist im Vergleich jetzt alles andere als alt, ich kann mich sogar noch genau daran erinnern wie ich Google Feedback gesendet habe, dass ich das bei den Suchergebnissen scheiße finde, als die es dort neu eingeführt hatten. Weil es immer passieren kann dass beim Klick aufs Mausrad um einen neuen Tab zu öffnen dieser als “rollen” registriert wird und man dann das Suchergebnis das man wollte nicht mehr wiederfindet. Ein Problem was ich so nie hatte als man halt nur seine 10-20 Suchergebnisse pro Seite hatte.
Edit: Tippfehler
auf welcher rechtlichen Grundlage
Mit Gesetzen schafft man die Grundlage. Es wäre moralisch zweifelhaft aber als Gesellschaft können wir alles verbieten, solange es im Bundestag die nötigen Mehrheiten hat. Es darf nur nicht gegen das Grundgesetz verstossen.
Mit Gesetzen schafft man die Grundlage. […] Es darf nur nicht gegen das Grundgesetz verstossen.
Exakt dies.
die süchtig machenden Techniken und Elemente dieser Plattformen
Kennt hier jemand Leute, die mit Plattformen ähnliche Probleme wie mit zB Nikotin hatten?
Nikotin ist eine psychoaktive Substanz und die Abhängigkeit von solchen ist nicht vergleichbar mit substanzungebundenen Abhängigkeiten. Ein besserer Vergleich wäre Glücksspielsucht, Kaufsucht oder bestimmte Typen von Essstörungen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Substanzungebundene_Abhängigkeit
Naja, früher habe ich mich oft selbst beim “Doomscrolling” erwischt. Youtube Shorts endlos gescrollt. Du schaust was witziges an und es folgen ähnliche Videos und auf einmal ist ne Stunde dahin… ist absolut krass wie das funktioniert manchmal.
Bei Tiktok auf jeden Fall.
Persönlich oder Bekannte? Wie fühlt sich das an im Vergleich zu Fediverse Social Media oder Videospielen?
Danke für’s Feedback.
Aus eigener Erfahrung, kommt dem “Nur noch ein weiteres Spiel/Darauf kann man nicht Enden” von manchen Spielen sehr nahe
Bekannte, aber ich merke es auch bei mir selbst wenn ich mich mal auf Youtube Shorts verirre.
Vergleiche dazu finde ich schwierig 🤷
Ein “Stufenmodell” oder irgendwas, was vom Alter des Benutzers abhängt, bedeutet noch immer, dass jeder Benutzer nachweisen muss, dass er alt genug ist, nicht unter das “Stufenmodell” zu fallen.
Die eigentliche Lösung wäre hier so wie bei fast allem in der Informatik: freie Software, offene Standards, Interoperabilität. Dann könnte man nämlich auf alle Inhalte und Interaktionen zugreifen, auch ohne die angeblich so schädlichen, äh, Algorithmen, Push-Nachrichten, Endlosfeeds (hab ein bisschen den Überblick über die Talking Points verloren).
Ach, das Problem damit ist, dass “kostenlos und werbefrei” kein Geschäftsmodell ist?
Fediverse und z.B. auch Wikimedia-Projekte zeigen, dass es sehr wohl möglich ist, kostenlose und werbefreie Plattformen (spendenfinanziert/gemeinnützig) zu betreiben. Aber durch zusätzliche staatliche Regulierung wird es definitiv schwieriger gemacht, das zu tun, also: Staaten der Welt, haltet euch verdammt noch einmal da raus. Das einzige vielleicht Sinnvolle, was ihr eventuell machen könntet, ist, selbst den Betrieb von Social Media für Kinder zu übernehmen, sonst nichts.
Ach, das Problem damit ist, dass “kostenlos und werbefrei” kein Geschäftsmodell ist?
Dass das kein sehr lukratives Geschäftsmodell ist, würde ich sogar unterstreichen. Es spricht aber trotzdem nicht dagegen, die Plattformen zu zwingen, ihre Inhalte über eine offene Schnittstelle zugänglich zu machen. Die Plattformen können ja weiterhin in ihrer eigenen, geschlossen Oberfläche ihre personalisierten Timelines mit gesponsorten und algorithmisch zusammengestellten Inhalten anbieten. Wenn die Nutzererfahrung dort so gut ist, wie die Plattformbetreiber behaupten, dann werden die Nutzer sich auch dafür entscheiden bzw. würde die Konkurrenz mit den offenen Oberflächen den Plattformbetreibern endlich einen Anreiz geben, die Nutzererfahrung positiv zu gestalten.
Dass das kein sehr lukratives Geschäftsmodell ist, würde ich sogar unterstreichen.
Korrekt; und als das Internet oder WWW erfunden wurde, war die Idee dahinter nie, dass jemals Unternehmen verlangen könnten, dass sie darauf ein (erst recht: ein sehr lukratives) Geschäftsmodell aufbauen können. Das schuldet die Gesellschaft keinem Unternehmen. :P
Es spricht aber trotzdem nicht dagegen, die Plattformen zu zwingen, ihre Inhalte über eine offene Schnittstelle zugänglich zu machen.
Man müsste sie nicht zwingen. Fediverse-Instanzen machen es schon freiwillig. :P Reddit früher auch, nicht sogar Twitter? Es gab eine Zeit, als klassische Webforen noch einigermaßen verbreitet waren, Smartphones aber auch schon; die App “Tapatalk” hat diese Welten damals zusammengeführt …
Ansonsten stimme ich dir natürlich zu.
Aber durch zusätzliche staatliche Regulierung wird es definitiv schwieriger gemacht, das zu tun, also: Staaten der Welt, haltet euch verdammt noch einmal da raus. Das einzige vielleicht Sinnvolle, was ihr eventuell machen könntet, ist, selbst den Betrieb von Social Media für Kinder zu übernehmen, sonst nichts.
Was jetzt? Der Staat soll sich aus Social Media raushalten, außer vielleicht die kleine Ausnahme, den Betrieb vollständig selbst zu übernehmen?
Bei zweiterem würde ich tatsächlich zumindest überlegen, dafür zu argumentieren. Natürlich hat staatliche Kontrolle immer ihre eigenen Schwierigkeiten, gerade bei potenziellen Regierungswechseln. Andererseits wäre es von der Idee vielleicht erstmal doch sinnvoll, Social Media als Infrastruktur zu betrachten und genauso unter staatlicher Verwaltung zu stellen wie Straßen und Gehwege. Das setzt natürlich ein vernünftiges rechtliches Rahmenwerk voraus, welches die Befugnisse und Richtlinien genau definiert, um eine beliebige Umgestaltung zu verhindern. Aber dieser utopische Cyber-Libertarismus hat ja offensichtlich auch nicht funktioniert.
den Betrieb vollständig selbst zu übernehmen?
Nein, nicht vollständig, sondern als zusätzliches Angebot zu dem, was ansonsten existiert. Ich hab es hinter dem Link eh skizziert.
Die meisten kommerziellen SoMe-Dienste sind in DE unter 16 sowieso nicht verfügbar, weil das Sammeln von personenbezogenen Daten von Kindern schwer reguliert ist. Genau so ist es in den USA mit dem COPPA. Die Firmen wissen natürlich, dass keiner dort sein echtes Alter angibt, aber rechtlich sind sie aus dem Schneider.








